
Quelle: Kurseelsorge Bad Krozingen
Neu werden
Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung.
Das Alte ist vergangen, etwas Neues ist entstanden! Das alles kommt von Gott. (2. Kor 5, 17)
Manchmal wachen wir morgens wie verwandelt auf. Mag die Sonne noch über unserem Zorn untergegangen sein – sie geht nicht mehr über ihm auf. Eine Nacht darüber geschlafen – da sehen manche Dinge oft ganz anders aus.
Ähnliches können wir manches Mal in der Reha erleben. Sie wird zu einer Zeit, in der Wunden zu heilen vermögen. Zu einer Zeit, die uns einen neuen Blick ermöglicht. Zu einer Zeit, die zwar nicht alles wieder ins Lot bringt, aber allem die angemessene Dimension zuweist.
Ein Reha-Aufenthalt kann zum Ort einer kleinen Neu-Schöpfung werden. Zur Gelegenheit einer nachhaltigen Verwandlung des Althergebrachten.
Die Rückkehr von der Reha nach Hause muss nicht gleichbedeutend sein mit einem Rückfall in alte Gewohnheiten und Verstrickungen. Das Ende einer Reha birgt die Chance eines Neuanfangs auch unter alten Bedingungen. Weil ich ausgerüstet bin mit einem neuen Blick und einem neugewonnen inneren Abstand zum Althergebrachten.
Neue Einsichten, die ich in der Reha gewonnen habe, will ich auch zuhause weiter pflegen: Auch zuhause will ich mir Zeit für mich selbst nehmen und darf dabei ruhig auch Gott ins Spiel meines Lebens bringen. Und ich darf der Einsicht in meinem Leben Raum geben, dass mir das Wesentliche im Leben geschenkt wird. Gratis. Gerade deshalb aber nicht beliebig ersetzbar oder austauschbar. Wertvolle Geschenke wollen gehütet sein, wie ein großer Schatz.
Im Rückblick auf eine erfolgreiche Reha können wir eine Ahnung davon bekommen, dass Gott es gut mit uns meint. Nur einrichten können wir uns darin nicht. Wir bleiben ein Leben lang unterwegs. Als Pilgerinnen & Pilger des Lebens. Wie in jener Geschichte, die von zwei Wanderern erzählt, die sich nachts in der Wüste verirren. Am Ende finden sie in einem Kloster Unterschlupf. Karg sind die Zellen eingerichtet. Und sie fragen den Abt, warum man im Koster auch auf das scheinbar Allernötigste verzichtet. „Ihr hat doch auch nichts dabei als nur das Allernötigste“, entgegnet der Abt. „Wir sind doch auf der Durchreise“, sagt einer der Wanderer. „Wir auch!“, entgegnet der Abt.
Leben ist immer Leben im Vorläufigen. Leben heißt unterwegs sein, auf der Durchreise. Wir dürfen auf unserer Wanderschaft dankbar sein, den an unserer Seite zu wissen, der der Schöpfer allen Lebens ist. Wir dürfen gewiss sein, dass all unsere Wege – bergauf und bergab – unter Gottes Segen stehen. Und dass er jede:n von uns meint. Das ist Leben pur. In dieser Gewissheit will ich jeden Tag aufs Neue aufbrechen.
Eine gesegnete Sommerszeit wünscht Ihnen Ihr Team der Kur- und Rehaseelsorge
i.V. Andreas Guthmann

